Lexikon

Indie-Hacker-Lexikon von A bis Z

65 Begriffe rund um eigene Software-Produkte in Deutschland, je in ein bis zwei Sätzen: Kennzahlen wie MRR und Churn, Steuern wie Kleinunternehmerregelung und Reverse Charge, Recht wie Impressum und Widerrufsrecht.

Stand: Keine Rechts- oder Steuerberatung. Gesetzesangaben verweisen auf die amtliche Fassung.

A

Abo-Modell

Kunden zahlen regelmäßig, meist monatlich oder jährlich, für den laufenden Zugang zu einem Produkt. Grundlage von Kennzahlen wie MRR und Churn.

ARR (Annual Recurring Revenue)

Jährlich wiederkehrender Umsatz aus Abos, also MRR mal zwölf.

AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag)

Vertrag mit einem Dienstleister, der personenbezogene Daten in deinem Auftrag verarbeitet, etwa beim Hosting oder Mailversand. Die DSGVO schreibt ihn vor (Art. 28 DSGVO).

DSGVO-konforme Website

B

BFSG (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz)

Verlangt, dass bestimmte Produkte und Dienstleistungen für Verbraucher barrierefrei sind. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind davon ausgenommen (§ 3 Abs. 3 BFSG).

Barrierefreie Website nach BFSG
Bootstrapping

Ein Unternehmen aus eigenen Einnahmen und Ersparnissen finanzieren statt mit Geld von Investoren.

Build in Public

Öffentlich über Fortschritt, Zahlen und Fehler berichten, während man baut, um früh Rückmeldungen und erste Nutzer zu gewinnen.

Building in Public
Burn Rate

Wie viel Geld ein Projekt im Monat mehr ausgibt, als es einnimmt. Aus Burn Rate und Kontostand ergibt sich die Runway.

C

CAC (Customer Acquisition Cost)

Was es im Schnitt kostet, einen neuen zahlenden Kunden zu gewinnen: Ausgaben für Marketing und Vertrieb geteilt durch die Zahl neuer Kunden.

Churn Rate

Anteil der Kunden oder des wiederkehrenden Umsatzes, der in einem Zeitraum durch Kündigungen verloren geht.

D

DDG (Digitale-Dienste-Gesetz)

Deutsches Gesetz zu digitalen Diensten. Sein § 5 regelt, welche Angaben ins Impressum gehören.

DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung)

EU-Verordnung, die regelt, wann und wie personenbezogene Daten verarbeitet werden dürfen, etwa E-Mail-Adressen, IP-Adressen oder Kundendaten.

DSGVO-konforme Website

E

E-Rechnung

Rechnung in einem strukturierten elektronischen Format, die sich maschinell verarbeiten lässt (§ 14 Abs. 1 UStG). Zwischen Unternehmen im Inland ist sie grundsätzlich Pflicht, mit Übergangsfristen bis Ende 2027 (§ 27 Abs. 38 UStG).

E-Rechnung für Kleinunternehmer und SaaS
Einzelunternehmen

Die Rechtsform, in der du allein startest, ohne Gründungsakt beim Notar. Du haftest mit deinem Privatvermögen.

Rechtsform wählen
Exit

Der Ausstieg aus dem eigenen Unternehmen, meist durch den Verkauf an einen Käufer.

Leitfaden: Verkaufen und Exit

F

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Die Angaben, die du dem Finanzamt bei der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit elektronisch übermittelst, innerhalb eines Monats (§ 138 AO). Daraufhin bekommst du deine Steuernummer.

Fragebogen Feld für Feld
Freelancer

Selbstständige, die Aufträge für Kunden erledigen. Steuerlich können sie freiberuflich oder gewerblich tätig sein.

Freelance-Einstieg
Freemium

Preismodell mit einer kostenlosen Grundversion und bezahlten Funktionen oder höheren Limits.

Freiberufler

Wer eine der in § 18 EStG genannten oder eine ähnliche Tätigkeit selbstständig ausübt. Freiberufler melden kein Gewerbe an und zahlen keine Gewerbesteuer.

Gewerbe oder freiberuflich?

G

Gewerbeanmeldung

Anzeige bei der Gemeinde, wenn du ein Gewerbe beginnst (§ 14 GewO). Die Gemeinde gibt die Angaben an das Finanzamt weiter (§ 138 AO).

Gewerbe anmelden
Gewerbesteuer

Steuer der Gemeinde auf den Gewerbeertrag, im Kern den Gewinn aus einem Gewerbe. Einzelunternehmer und Personengesellschaften haben einen Freibetrag von 24.500 Euro (§ 11 GewStG).

GmbH

Gesellschaft mit beschränkter Haftung, gegründet beim Notar mit mindestens 25.000 Euro Kapital (§ 5 GmbHG). Gehaftet wird grundsätzlich nur mit dem Vermögen der Gesellschaft.

Rechner: Einzelunternehmen oder GmbH
GoBD

Die „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ des Bundesfinanzministeriums. Sie beschreiben, wie digitale Buchhaltung und Belege aufbewahrt werden müssen.

H

Holding

Gesellschaft, deren Zweck vor allem darin besteht, Anteile an anderen Gesellschaften zu halten.

I

Impressum

Pflichtangaben zum Anbieter einer Website oder App, die geschäftsmäßig und in der Regel gegen Entgelt angeboten wird, darunter Name, Anschrift und E-Mail-Adresse (§ 5 DDG).

Indie Hacker

Jemand, der allein oder in einem sehr kleinen Team ein eigenes Software- oder Digitalprodukt baut und verkauft, meist ohne Investoren.

Leitfaden für Indie Hacker
Ist-Versteuerung

Umsatzsteuer erst für den Zeitraum zahlen, in dem der Kunde bezahlt hat, statt schon für den Zeitraum, in dem du die Leistung erbracht hast. Das Finanzamt erlaubt sie auf Antrag, etwa bei höchstens 800.000 Euro Vorjahresumsatz (§ 20 UStG).

J

Jahresabo

Ein Abo, das für zwölf Monate im Voraus bezahlt wird. Für den MRR zählt ein Zwölftel des Jahrespreises.

K

Kleinbetragsrechnung

Rechnung, deren Gesamtbetrag 250 Euro nicht übersteigt. Sie braucht weniger Angaben und darf auch nach Einführung der E-Rechnungspflicht als PDF oder auf Papier kommen (§ 33 UStDV).

E-Rechnung: die Ausnahmen
Kleingewerbe

Umgangssprachlich für ein Gewerbe, das keinen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert und deshalb kein Handelsgewerbe ist (§ 1 Abs. 2 HGB). Keine eigene Rechtsform und nicht dasselbe wie die Kleinunternehmerregelung.

Kleinunternehmerregelung

Deine Umsätze sind von der Umsatzsteuer befreit, wenn der Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro betrug und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet (§ 19 UStG). Vorsteuer ziehst du dann nicht ab.

Kleinunternehmer-Check

L

Landingpage

Eine einzelne Seite, die ein Angebot erklärt und zu genau einer Handlung führt, etwa Warteliste, Kauf oder Newsletter.

Launch

Die Veröffentlichung eines Produkts, bei Indie-Projekten oft in mehreren Runden: Warteliste, Communities, Launch-Plattformen.

Leitfaden: Launch
LTV (Lifetime Value)

Was ein Kunde während der gesamten Kundenbeziehung im Schnitt einbringt. Steht im Verhältnis zu den Kosten, ihn zu gewinnen (CAC).

M

Merchant of Record

Ein Anbieter, der dein Produkt im eigenen Namen an die Kunden verkauft und damit für Rechnung und Umsatzsteuer gegenüber den Kunden zuständig ist. Du verkaufst umsatzsteuerlich an ihn.

Stripe vs. Paddle vs. Lemon Squeezy
Micro-SaaS

Ein kleines Software-Abo für eine enge Zielgruppe, das eine Person allein bauen und betreiben kann.

MRR (Monthly Recurring Revenue)

Monatlich wiederkehrender Umsatz aus Abos. Jahresabos zählen mit einem Zwölftel, Einmalzahlungen gar nicht.

MVP (Minimum Viable Product)

Die kleinste Version eines Produkts, mit der du herausfindest, ob es gebraucht wird.

MVP: Umfang schneiden

N

Nebengewerbe

Ein Gewerbe neben einer Hauptbeschäftigung, etwa als Angestellter. Angemeldet wird es wie jedes andere Gewerbe.

Side Project neben dem Job
North Star Metric

Die eine Kennzahl, die am besten zeigt, ob dein Produkt Kunden echten Nutzen bringt, etwa erledigte Aufgaben pro Woche.

O

OSS (One-Stop-Shop)

Verfahren, mit dem du die Umsatzsteuer für Privatkunden in anderen EU-Staaten gesammelt beim Bundeszentralamt für Steuern erklärst, statt dich in jedem Land zu registrieren (§ 18j UStG).

Umsatzsteuer bei SaaS

P

Pricing

Die Gestaltung von Preisen und Preisstufen. Bei Indie-Produkten meist wenige Stufen, die sich am Nutzen orientieren.

Pricing für Indie-Devs
Product Hunt

Website, auf der neue Produkte vorgestellt und von der Community bewertet werden. Für viele Indie-Projekte eine Launch-Station.

Product-Market-Fit

Der Punkt, an dem ein Produkt so gut zu einem Markt passt, dass Kunden bleiben und es weiterempfehlen.

Q

Quartal (Voranmeldungszeitraum)

Die Umsatzsteuer-Voranmeldung gibst du grundsätzlich für jedes Kalendervierteljahr ab; bei mehr als 9.000 Euro Steuer im Vorjahr monatlich (§ 18 Abs. 2 UStG). Kleinunternehmer sind davon befreit.

R

Reverse Charge

Bei bestimmten Leistungen schuldet nicht der Leistende, sondern der Kunde die Umsatzsteuer, etwa bei Dienstleistungen an Unternehmen in anderen EU-Staaten. Auf der Rechnung steht dann „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ (§ 14a UStG).

Umsatzsteuer bei SaaS
Runway

Wie viele Monate dein Geld bei der aktuellen Burn Rate noch reicht.

S

SaaS (Software as a Service)

Software, die im Browser oder über das Internet genutzt und meist im Abo bezahlt wird, statt sie zu installieren und einmal zu kaufen.

Leitfaden: Bauen
Scheinselbstständigkeit

Ein Auftragsverhältnis, das rechtlich als Beschäftigung gilt. Anhaltspunkte sind Arbeit nach Weisungen und die Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Auftraggebers (§ 7 Abs. 1 SGB IV).

Scheinselbstständigkeit als IT-Freelancer
Side Hustle

Ein Nebenprojekt, mit dem man neben dem Hauptjob Geld verdient.

Side Project neben dem Job
Stripe

Zahlungsanbieter für Online-Zahlungen. Mit ihm bleibst du selbst der Verkäufer.

Stripe-Gebühren-Rechner

T

TDDDG

Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz. Sein § 25 regelt, wann Informationen auf dem Gerät der Nutzer gespeichert oder ausgelesen werden dürfen, etwa Cookies.

Tech Stack

Die Kombination aus Programmiersprachen, Frameworks, Datenbank und Hosting, mit der ein Produkt gebaut ist.

Leitfaden: Bauen

U

UG (haftungsbeschränkt)

Variante der GmbH mit weniger als 25.000 Euro Kapital. Ein Viertel des Jahresüberschusses muss in eine gesetzliche Rücklage, solange das Kapital unter 25.000 Euro bleibt (§ 5a GmbHG).

Rechtsform wählen
Umsatzsteuer-Voranmeldung

Elektronische Meldung der Umsatzsteuer für einen Monat oder ein Quartal, fällig am zehnten Tag danach (§ 18 Abs. 1 UStG).

USt-IdNr (Umsatzsteuer-Identifikationsnummer)

Nummer für Geschäfte mit Unternehmen in anderen EU-Staaten. Das Bundeszentralamt für Steuern erteilt sie auf Antrag (§ 27a UStG).

Umsatzsteuer bei SaaS

V

Validierung

Prüfen, ob es für eine Idee echte Nachfrage gibt, bevor viel gebaut wird, etwa mit Gesprächen, Landingpage und Vorverkauf.

Leitfaden: Validieren
Vibe Coding

Programmieren, bei dem du einer KI in Alltagssprache beschreibst, was entstehen soll, und ihren Code weitgehend übernimmst.

Beste KI zum Programmieren
Vorsteuer

Umsatzsteuer, die dir andere Unternehmer berechnen und die du dir vom Finanzamt zurückholen kannst (§ 15 UStG), außer als Kleinunternehmer.

W

Warteliste

Liste von Interessenten, die vor dem Start benachrichtigt werden wollen. Ein früher Test für Nachfrage.

Widerrufsrecht bei digitalen Inhalten

Verbraucher können Online-Käufe in der Regel widerrufen. Bei digitalen Inhalten erlischt das Recht, sobald du mit der Bereitstellung beginnst, wenn der Kunde dem sofortigen Beginn ausdrücklich zugestimmt und bestätigt hat, dass er dadurch sein Widerrufsrecht verliert, und eine Bestätigung bekommen hat (§ 356 Abs. 6 BGB).

X

XRechnung

Deutscher Standard für E-Rechnungen als reine XML-Datei. Er erfüllt die europäische Norm EN 16931 (BMF-Schreiben vom 15.10.2025).

E-Rechnung für Kleinunternehmer und SaaS

Y

YoY (Year over Year)

Vergleich einer Kennzahl mit demselben Zeitraum im Vorjahr, etwa der MRR im Oktober gegenüber dem Oktober davor.

Z

Zahlungsanbieter

Dienst, der Karten-, Lastschrift- oder andere Zahlungen für dich abwickelt. Anders als ein Merchant of Record verkauft er nicht selbst.

ZUGFeRD

Hybrides E-Rechnungsformat: ein PDF mit eingebetteter XML-Datei. Ab Version 2.0.1 gilt es als E-Rechnung, außer in den Profilen MINIMUM und BASIC-WL (BMF-Schreiben vom 15.10.2025).

E-Rechnung für Kleinunternehmer und SaaS

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Leitfaden

Von der Idee bis zum Exit

Die Begriffe im Zusammenhang: zehn Etappen mit dem, was in Deutschland gilt, Fragen und weiterführenden Ratgebern.

Zum Leitfaden für Indie Hacker