Du spielst mit dem Gedanken, deinen festen Job als Entwickler an den Nagel zu hängen und als Freelance Entwickler durchzustarten? Eine spannende, aber auch herausfordernde Reise. Ich war selbst in deiner Situation und will dir hier einen ehrlichen Fahrplan an die Hand geben, was dich erwartet, wie du deinen Stundensatz kalkulierst, an Projekte kommst und welche Fallstricke du vermeiden solltest, Stichwort Selbstständigkeit IT. Es ist anstrengend, aber die Freiheit ist es wert.
Dein Stundensatz: Mehr als nur eine Zahl
Viele Angestellte tun sich schwer damit, ihren Wert als Freelancer zu beziffern. Dein Stundensatz ist aber entscheidend für deinen Erfolg und vor allem für deine finanzielle Sicherheit. Vergiss direkt, deinen ehemaligen Bruttolohn einfach durch 160 zu teilen. Das ist die größte Falle, in die viele am Anfang tappen. Als Freelance Entwickler trägst du alle Kosten selbst: Krankenversicherung, Altersvorsorge, Büro, Softwarelizenzen, Weiterbildung, Steuern und vor allem: deine unbezahlte Zeit.
Was steckt wirklich drin?
- Unproduktive Zeit: Akquise, Angebote schreiben, Rechnungen stellen, Buchhaltung, Steuerkram, Weiterbildung, Konferenzen. Das sind schnell 20-30% deiner Arbeitszeit, die du nicht direkt abrechnen kannst.
- Leerlauf & Krankheit: Es wird Phasen geben, in denen du keine oder weniger Projekte hast. Oder du bist krank und kannst nicht arbeiten. Dein Stundensatz muss das abfedern, denn dein Einkommen ist nicht garantiert.
- Urlaub: Als Angestellter bekommst du bezahlten Urlaub. Als Freelancer nicht. Dein Stundensatz muss deine Urlaubstage mitfinanzieren, damit du dir auch mal eine Auszeit leisten kannst.
- Betriebskosten: Dein Laptop, Softwarelizenzen (IDEs, Tools, Cloud-Services), Internet, Handy, Büromiete (auch im Homeoffice anteilig), Steuerberater, ggf. Marketing und Website-Hosting. Diese Kosten addieren sich schnell auf 500-1500€ pro Monat, je nach Setup.
- Sozialabgaben & Steuern: Krankenversicherung (oft teurer als angestellt), Altersvorsorge (Riester, Rürup, private Vorsorge – du bist selbst verantwortlich!), Einkommensteuer, ggf. Umsatzsteuer (wenn du nicht Kleinunternehmer bist).
Die Kalkulation
Rechne rückwärts. Was brauchst du netto im Monat zum Leben? Addiere alle privaten Fixkosten (Miete, Auto, Lebensmittel, Freizeit). Dann schätze deine monatlichen Betriebskosten. Addiere eine großzügige Summe für Altersvorsorge und Puffer. Multipliziere diese Summe mit 1,5 bis 2, um Puffer für Leerlauf, Krankheit und Urlaub zu haben und die Steuerlast zu berücksichtigen. Teile diese Summe dann durch die realistisch abrechenbaren Stunden pro Monat (oft nur 100-120 Stunden, nicht 160!). Das ist dein absolutes Minimum, um nicht nur zu überleben, sondern auch Rücklagen zu bilden und zu investieren.
Marktüblichkeit & Positionierung
Als erfahrener Entwickler in Deutschland solltest du einen Stundensatz von 80-120€ netto anstreben. Junior-Freelancer starten oft bei 60-80€, Senior-Experten mit Nischenwissen (z.B. Spezialisierung auf Machine Learning, bestimmte Cloud-Architekturen oder Legacy-Systeme) können auch deutlich über 120€ verlangen. Sei selbstbewusst, aber realistisch. Ein zu niedriger Preis signalisiert oft mangelnde Erfahrung und kann dich in eine Abwärtsspirale ziehen, wo du nur schwer zahlende Kunden findest. Kunden, die nur auf den Preis schauen, sind oft auch die anstrengendsten und fordern am meisten.
Preiskommunikation
Kommuniziere deinen Stundensatz klar und transparent. Manche Kunden bevorzugen Pauschalpreise – kalkuliere hier immer einen ordentlichen Puffer ein, denn Aufwände werden fast immer unterschätzt. Das ist Unternehmertum: Du trägst das Risiko, also muss es sich auch lohnen.
Projekte finden: Die Akquise als Daueraufgabe
Am Anfang ist die Akquise der größte Pain Point. Als Freelancer bist du dein eigener Vertrieb. Das bedeutet, du musst aktiv werden, auch wenn du lieber Code schreiben würdest.
- Dein Netzwerk: Dein bestehendes Netzwerk ist Gold wert. Informiere ehemalige Kollegen, Vorgesetzte und Geschäftspartner über deine Selbstständigkeit. Viele erste Projekte kommen über persönliche Empfehlungen oder Mundpropaganda. Pflege diese Kontakte!
- Plattformen: Portale wie Gulp, Freelancermap oder auch LinkedIn sind gute Startpunkte. Hier findest du Projektangebote, musst dich aber gegen viele Mitbewerber durchsetzen. Erstelle ein detailliertes Profil, das deine Spezialisierung und deine Erfahrungen klar hervorhebt. Sei spezifisch, nicht generisch.
- Direktansprache (Cold Outreach): Überlege, welche Unternehmen deine Expertise brauchen könnten. Eine personalisierte E-Mail oder LinkedIn-Nachricht kann Wunder wirken. Recherchiere deren Tech-Stack oder aktuelle Herausforderungen und biete eine konkrete Lösung an. Das ist oft effektiver als blindes Anschreiben.
- Spezialisierung: Versuche, dich auf einen Bereich zu fokussieren (z.B. React-Entwickler, Cloud-Architekt AWS, Backend mit GoLang). Das macht dich für potenzielle Kunden attraktiver und deine Akquise zielgerichteter. Ein