Selbst verkaufen oder verkaufen lassen?
Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern darin, wer rechtlich verkauft.
- Zahlungsanbieter (Stripe direkt): Du schließt den Vertrag mit deinen Kunden, stellst die Rechnung und schuldest die Umsatzsteuer. Für Privatkunden in anderen EU-Staaten gilt ab 10.000 Euro solcher Umsätze im Jahr die Steuer des Kundenlands, die du über den One-Stop-Shop erklärst (§ 3a Abs. 5 UStG, § 18j UStG). Wie das im Einzelnen geht, steht im Ratgeber Umsatzsteuer bei SaaS.
- Merchant of Record (Paddle, Lemon Squeezy, Managed Payments): Der Anbieter kauft dir das Produkt gewissermaßen ab und verkauft es im eigenen Namen weiter. Paddle schreibt das ausdrücklich in seine Bedingungen: Paddle ist „the reseller of the Product“ (Ziffer 4.1). Umsatzsteuerlich verkaufst du dann an genau einen Geschäftskunden, den Merchant of Record. Wo dieser sitzt, entscheidet über deine eigene Umsatzsteuer (§ 3a Abs. 2 UStG): Bei Sitz außerhalb der EU ist dein Umsatz in Deutschland nicht steuerbar.
Für Einkommen- und Gewerbesteuer ändert sich nichts: Was der Merchant of Record an dich auszahlt, sind Betriebseinnahmen.
Rechenbeispiel: Abo für 20 € an eine Kundin in Deutschland
Annahmen: Die Kundin zahlt 20 € im Monat mit einer Standardkarte aus dem EWR, der Preis enthält 19 % Umsatzsteuer, also 3,19 €. Alle Prozentgebühren sind auf die 20 € gerechnet, wie es Paddle (Verkaufspreis, Ziffer 3.1 und 3.2) und Lemon Squeezy (Gesamtbetrag der Bestellung) beschreiben; bei Managed Payments ist das unsere Annahme. Die festen Anteile von Paddle und Lemon Squeezy nennen die Anbieter in US-Dollar, sie stehen deshalb getrennt da.
| Weg | Gebühr | Umsatzsteuer | Bleibt bei dir |
|---|---|---|---|
| Stripe direkt, regelbesteuert | 0,55 € (1,5 % + 0,25 €) | 3,19 € zahlst du ans Finanzamt | 16,26 € |
| Stripe direkt, Kleinunternehmer | 0,55 € | keine (§ 19 UStG) | 19,45 € |
| Stripe Managed Payments | 1,25 € (0,55 € + 3,5 %) | 3,19 € behält Stripe ein | 15,56 € |
| Paddle | 1,00 € + 0,50 $ (5 % + 0,50 $) | 3,19 € behält Paddle ein | 15,81 € − 0,50 $ |
| Lemon Squeezy | 1,40 € + 0,50 $ (7 % + 0,50 $) | 3,19 € behält Lemon Squeezy ein | 15,41 € − 0,50 $ |
Bei Lemon Squeezy kommen bei einem deutschen Bankkonto noch 1 % je Auszahlung dazu. Bei Stripe direkt sind Rechnungsprogramm, Steuerberatung und deine Zeit für die Umsatzsteuer nicht eingerechnet, beim Merchant of Record ist das genau die Arbeit, für die er die Gebühr nimmt. Was eine Zahlung über Stripe mit anderen Zahlungsarten kostet, rechnet der Stripe-Gebühren-Rechner.
Die zweite Zeile ist der Grund, warum sich ein Merchant of Record für kleine Anbieter in Deutschland oft nicht lohnt: Deine Befreiung als Kleinunternehmer gilt nur für deine eigenen Umsätze. Der Merchant of Record verkauft selbst und berechnet die Umsatzsteuer des Kundenlands immer. Ob du die Befreiung nutzen kannst, prüft der Kleinunternehmer-Check.
Wann sich was lohnt
Unsere Einschätzung, keine Steuerberatung:
- Stripe direkt, wenn deine Kunden vor allem in Deutschland sitzen, du Kleinunternehmer bist oder deine Verkäufe an Privatkunden im EU-Ausland unter 10.000 Euro im Jahr bleiben. Auch für Kundenprojekte, Beratung und alles mit menschlicher Arbeit, denn Managed Payments schließt das ausdrücklich aus.
- Ein Merchant of Record, wenn du viele Privatkunden in vielen Ländern hast, auch außerhalb der EU, etwa in den USA mit ihren Sales-Tax-Regeln je Bundesstaat. Dann spart die höhere Gebühr Registrierungen, Erklärungen und Steuerberatung in vielen Ländern.
- Stripe Managed Payments oder Paddle eher als Lemon Squeezy für ein neues Produkt, weil Lemon Squeezy selbst auf Managed Payments als Nachfolger verweist.
Was du dem Merchant of Record schuldest
Du verkaufst an ein Unternehmen, also gelten für diesen einen Umsatz die normalen Regeln:
- Beleg: Paddle bietet laut Bedingungen eine Abrechnung per Gutschrift an, die Pflichten zum Rechnungsformat bleiben aber bei dir (Ziffer 7.3). Eine Gutschrift ist eine Rechnung, die der Kunde ausstellt, wenn das vorher vereinbart ist (§ 14 Abs. 2 UStG).
- Umsatzsteuer: Sitzt der Merchant of Record außerhalb der EU, ist deine Leistung in Deutschland nicht steuerbar; sitzt er in einem anderen EU-Staat, gilt Reverse Charge mit Hinweis auf der Rechnung und Zusammenfassender Meldung. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber Umsatzsteuer bei SaaS.
- E-Rechnung: Die Pflicht zur E-Rechnung gilt nur, wenn du und dein Kunde im Inland ansässig seid (§ 14 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 UStG). Bei einem Merchant of Record im Ausland greift sie für diesen Umsatz nicht. Mehr im Ratgeber zur E-Rechnung für Kleinunternehmer und Entwickler.
Stand: 20. Oktober 2026. Gebühren und Rollen laut den Preisseiten, Bedingungen und Dokumentationen der Anbieter an diesem Tag, die Steuerregeln laut Umsatzsteuergesetz. Verbindlich ist dein Vertrag. Keine Rechts- oder Steuerberatung.