Vergleich

Stripe vs. Paddle vs. Lemon Squeezy: selbst verkaufen oder Merchant of Record?

Mit Stripe verkaufst du selbst: Die Gebühr ist am niedrigsten, um Rechnungen und die Umsatzsteuer der Länder deiner Kunden kümmerst du dich aber selbst. Paddle, Lemon Squeezy und Stripe Managed Payments verkaufen dein digitales Produkt als Merchant of Record im eigenen Namen, berechnen die Umsatzsteuer der Kunden und nehmen dafür laut ihren Preisseiten 5 % plus 0,50 $ (Paddle, Lemon Squeezy, dort mit Aufschlägen) oder 3,5 % zusätzlich zu den Stripe-Gebühren (Managed Payments). Als Kleinunternehmer mit Kunden vor allem in Deutschland fährst du direkt meist günstiger, weil ein Merchant of Record immer Umsatzsteuer berechnet. Lemon Squeezy arbeitet laut eigenem Blog auf einen Umzug zu Stripe Managed Payments hin.

Kriterium Stripe (direkt)Stripe Managed PaymentsPaddleLemon Squeezy
Rolle beim Verkauf ZahlungsanbieterMerchant of RecordMerchant of Record (Wiederverkäufer)Merchant of Record
Verkäufer gegenüber deinen Kunden1 du selbstLink (Kunden sehen Link als Händler)Paddle; bei Käufen außerhalb der USA in der Regel Paddle.com Market Limited, LondonLink, LLC, früher Lemon Squeezy LLC
Gebühr je Zahlung2 1,5 % + 0,25 €3,5 % zusätzlich zu den Stripe-Zahlungsgebühren5 % + 0,50 $ (Checkout)5 % + 0,50 $; + 1,5 % außerhalb der USA, + 0,5 % bei Abos, + 1,5 % mit PayPal
Weitere Gebühren laut Anbieter Währungsumrechnung + 2 %; Stripe Tax 0,5 % je Transaktion (ohne Code)die normalen Stripe-ZahlungsgebührenUmrechnung 2 % (USD, EUR, GBP); Auslandsüberweisung 15 €; Rückbuchung bis 20 €Auszahlung auf ein Bankkonto außerhalb der USA 1 %; per PayPal 3 %, höchstens 30 $
Umsatzsteuer und Sales Tax der Kunden deine Aufgabe; Stripe Tax berechnet sie, Erklärungen nur im Tarif Tax Complete (ab 80 € im Monat)übernimmt Stripe in mehr als 80 Ländern, in den übrigen bleibst du zuständigübernimmt Paddleübernimmt Lemon Squeezy
Was du verkaufen darfst was Stripe allgemein erlaubt, auch Dienstleistungennur digitale Produkte; keine Beratung, Entwicklung oder Live-CoachingSoftware und digitale Inhaltedigitale Produkte: SaaS, Downloads, Abos, Mitgliedschaften, Kurse
Stand des Angebots regulär verfügbarfür Unternehmen in unterstützten Ländern Europas, Nordamerikas und Asien-Pazifiks (Liste bei Stripe)regulär verfügbargehört zu Stripe; laut Blog vom 28.01.2026 Weg zu Managed Payments, langsamerer Support
  1. Verkäufer gegenüber deinen Kunden: So, wie der Anbieter es in Bedingungen oder Dokumentation nennt. Wer dein Vertragspartner ist, steht in deinem Vertrag.
  2. Gebühr je Zahlung: Laut Preisseite am 20.10.2026; bei Stripe für eine Standardkarte aus dem EWR.

Stand: Alle Angaben von den Seiten der Anbieter, ohne Partnerlinks. Zu den Quellen

Inhalt (8 Abschnitte)

Kurzurteil je Anbieter

  • Stripe (direkt)

    Die günstigste Gebühr im Vergleich, dafür bist du selbst der Verkäufer und für Rechnungen, Umsatzsteuer, OSS und Rückbuchungen zuständig.

    Für wenPasst, wenn du vor allem in Deutschland verkaufst, Kleinunternehmer bist oder die Umsatzsteuer ohnehin im Griff hast, und für Dienstleistungen, die kein Merchant of Record annimmt.

    Zur Seite von Stripe (direkt)
  • Stripe Managed Payments

    Merchant of Record von Stripe mit dem kleinsten Aufschlag im Vergleich, aber nur für vollautomatische digitale Produkte und mit Link als Händler im Checkout.

    Für wenPasst, wenn du schon mit Stripe arbeitest, Software oder digitale Inhalte weltweit verkaufst und dir die Umsatzsteuer vieler Länder abnehmen lassen willst.

    Zur Seite von Stripe Managed Payments
  • Paddle

    Etablierter Merchant of Record für Software und Apps mit einem Pauschalpreis, der Steuern, Betrugsschutz und Käufer-Support einschließt.

    Für wenPasst, wenn du ein SaaS oder eine App international verkaufst, mit Steuern in vielen Ländern nichts zu tun haben willst und die höhere Gebühr dafür in Kauf nimmst.

    Zur Seite von Paddle
  • Lemon Squeezy

    Einfacher Merchant of Record für digitale Produkte, der mit den Aufschlägen für Kunden außerhalb der USA und für Abos am teuersten wird und dessen Zukunft bei Stripe Managed Payments liegt.

    Für wenPasst für einen schnellen Start mit Downloads, Kursen oder kleinen Abos; für ein neues Produkt mit langem Horizont ist der Umzugsplan des Anbieters mitzudenken.

    Zur Seite von Lemon Squeezy

Selbst verkaufen oder verkaufen lassen?

Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern darin, wer rechtlich verkauft.

  • Zahlungsanbieter (Stripe direkt): Du schließt den Vertrag mit deinen Kunden, stellst die Rechnung und schuldest die Umsatzsteuer. Für Privatkunden in anderen EU-Staaten gilt ab 10.000 Euro solcher Umsätze im Jahr die Steuer des Kundenlands, die du über den One-Stop-Shop erklärst (§ 3a Abs. 5 UStG, § 18j UStG). Wie das im Einzelnen geht, steht im Ratgeber Umsatzsteuer bei SaaS.
  • Merchant of Record (Paddle, Lemon Squeezy, Managed Payments): Der Anbieter kauft dir das Produkt gewissermaßen ab und verkauft es im eigenen Namen weiter. Paddle schreibt das ausdrücklich in seine Bedingungen: Paddle ist „the reseller of the Product“ (Ziffer 4.1). Umsatzsteuerlich verkaufst du dann an genau einen Geschäftskunden, den Merchant of Record. Wo dieser sitzt, entscheidet über deine eigene Umsatzsteuer (§ 3a Abs. 2 UStG): Bei Sitz außerhalb der EU ist dein Umsatz in Deutschland nicht steuerbar.

Für Einkommen- und Gewerbesteuer ändert sich nichts: Was der Merchant of Record an dich auszahlt, sind Betriebseinnahmen.

Rechenbeispiel: Abo für 20 € an eine Kundin in Deutschland

Annahmen: Die Kundin zahlt 20 € im Monat mit einer Standardkarte aus dem EWR, der Preis enthält 19 % Umsatzsteuer, also 3,19 €. Alle Prozentgebühren sind auf die 20 € gerechnet, wie es Paddle (Verkaufspreis, Ziffer 3.1 und 3.2) und Lemon Squeezy (Gesamtbetrag der Bestellung) beschreiben; bei Managed Payments ist das unsere Annahme. Die festen Anteile von Paddle und Lemon Squeezy nennen die Anbieter in US-Dollar, sie stehen deshalb getrennt da.

WegGebührUmsatzsteuerBleibt bei dir
Stripe direkt, regelbesteuert0,55 € (1,5 % + 0,25 €)3,19 € zahlst du ans Finanzamt16,26 €
Stripe direkt, Kleinunternehmer0,55 €keine (§ 19 UStG)19,45 €
Stripe Managed Payments1,25 € (0,55 € + 3,5 %)3,19 € behält Stripe ein15,56 €
Paddle1,00 € + 0,50 $ (5 % + 0,50 $)3,19 € behält Paddle ein15,81 € − 0,50 $
Lemon Squeezy1,40 € + 0,50 $ (7 % + 0,50 $)3,19 € behält Lemon Squeezy ein15,41 € − 0,50 $

Bei Lemon Squeezy kommen bei einem deutschen Bankkonto noch 1 % je Auszahlung dazu. Bei Stripe direkt sind Rechnungsprogramm, Steuerberatung und deine Zeit für die Umsatzsteuer nicht eingerechnet, beim Merchant of Record ist das genau die Arbeit, für die er die Gebühr nimmt. Was eine Zahlung über Stripe mit anderen Zahlungsarten kostet, rechnet der Stripe-Gebühren-Rechner.

Die zweite Zeile ist der Grund, warum sich ein Merchant of Record für kleine Anbieter in Deutschland oft nicht lohnt: Deine Befreiung als Kleinunternehmer gilt nur für deine eigenen Umsätze. Der Merchant of Record verkauft selbst und berechnet die Umsatzsteuer des Kundenlands immer. Ob du die Befreiung nutzen kannst, prüft der Kleinunternehmer-Check.

Wann sich was lohnt

Unsere Einschätzung, keine Steuerberatung:

  • Stripe direkt, wenn deine Kunden vor allem in Deutschland sitzen, du Kleinunternehmer bist oder deine Verkäufe an Privatkunden im EU-Ausland unter 10.000 Euro im Jahr bleiben. Auch für Kundenprojekte, Beratung und alles mit menschlicher Arbeit, denn Managed Payments schließt das ausdrücklich aus.
  • Ein Merchant of Record, wenn du viele Privatkunden in vielen Ländern hast, auch außerhalb der EU, etwa in den USA mit ihren Sales-Tax-Regeln je Bundesstaat. Dann spart die höhere Gebühr Registrierungen, Erklärungen und Steuerberatung in vielen Ländern.
  • Stripe Managed Payments oder Paddle eher als Lemon Squeezy für ein neues Produkt, weil Lemon Squeezy selbst auf Managed Payments als Nachfolger verweist.

Was du dem Merchant of Record schuldest

Du verkaufst an ein Unternehmen, also gelten für diesen einen Umsatz die normalen Regeln:

  1. Beleg: Paddle bietet laut Bedingungen eine Abrechnung per Gutschrift an, die Pflichten zum Rechnungsformat bleiben aber bei dir (Ziffer 7.3). Eine Gutschrift ist eine Rechnung, die der Kunde ausstellt, wenn das vorher vereinbart ist (§ 14 Abs. 2 UStG).
  2. Umsatzsteuer: Sitzt der Merchant of Record außerhalb der EU, ist deine Leistung in Deutschland nicht steuerbar; sitzt er in einem anderen EU-Staat, gilt Reverse Charge mit Hinweis auf der Rechnung und Zusammenfassender Meldung. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber Umsatzsteuer bei SaaS.
  3. E-Rechnung: Die Pflicht zur E-Rechnung gilt nur, wenn du und dein Kunde im Inland ansässig seid (§ 14 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 UStG). Bei einem Merchant of Record im Ausland greift sie für diesen Umsatz nicht. Mehr im Ratgeber zur E-Rechnung für Kleinunternehmer und Entwickler.

Stand: 20. Oktober 2026. Gebühren und Rollen laut den Preisseiten, Bedingungen und Dokumentationen der Anbieter an diesem Tag, die Steuerregeln laut Umsatzsteuergesetz. Verbindlich ist dein Vertrag. Keine Rechts- oder Steuerberatung.

Quellen

Die Angaben in Tabelle und Text stammen von diesen Seiten der Anbieter, geprüft am 20. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Was ist ein Merchant of Record?

Ein Anbieter, der dein Produkt im eigenen Namen an die Kunden verkauft. Er berechnet und zahlt die Umsatzsteuer der Kunden, stellt ihnen die Rechnung und kümmert sich meist um Betrugsprüfung und Rückbuchungen. Du verkaufst umsatzsteuerlich nur an ihn.

Lohnt sich ein Merchant of Record als Kleinunternehmer?

Meist nicht, solange deine Kunden vor allem in Deutschland sitzen. Direkt über Stripe berechnest du als Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer (§ 19 UStG). Ein Merchant of Record verkauft selbst und berechnet die Umsatzsteuer des Kundenlands immer, bei gleichem Endpreis bleibt dir also weniger.

Ist Paddle oder Lemon Squeezy günstiger?

Beide nennen 5 % plus 0,50 $ je Zahlung. Lemon Squeezy schlägt laut eigener Gebührenseite 1,5 % für Zahlungen außerhalb der USA und 0,5 % für Abozahlungen auf, für ein Abo an Kunden in Deutschland sind es dann 7 % plus 0,50 $.

Was passiert mit Lemon Squeezy?

Lemon Squeezy gehört seit 2024 zu Stripe. Im Beitrag vom 28.01.2026 schreibt das Team, man baue mit Stripe Managed Payments den Nachfolger, wolle Nutzern einen einfachen Umzug ermöglichen und habe dafür langsameren Support und seltenere Updates in Kauf genommen.

Muss ich dem Merchant of Record eine Rechnung schreiben?

Du verkaufst an ihn, also brauchst du einen Beleg über diese Leistung. Paddle bietet laut Bedingungen eine Abrechnung per Gutschrift an; für deine eigenen Pflichten, auch beim Rechnungsformat, bleibst du verantwortlich (Ziffer 7.3).

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