Vergleich

Caddy vs. nginx: Webserver und Reverse Proxy im Vergleich

Caddy holt und erneuert TLS-Zertifikate von sich aus und spricht HTTP/3 ab Werk; nginx braucht dafür ein eigenes ACME-Modul und schaltet HTTP/3 nur ein, wenn du es einrichtest. Caddy lässt sich zur Laufzeit über eine API umkonfigurieren, nginx lädt seine Konfigurationsdatei per Signal neu, in der Mainline seit 1.31.5 auf Wunsch auch über eine Control API. Dafür hat nginx einen kommerziellen Zweig von F5 mit aktiven Health Checks und einer umfangreicheren API. Beide sind quelloffen und kostenlos; für eine neue Seite mit wenigen Diensten ist Caddy einfacher, für bestehende nginx-Setups gibt es selten einen zwingenden Grund zu wechseln.

Kriterium Caddynginx
Was es ist Webserver und Reverse ProxyWebserver und Reverse Proxy
Lizenz Apache 2.0BSD-2-Clause
Programmiersprache GoC
Aktuelle Version1 2.11.7 (03.10.2026)Mainline 1.31.6, Stable 1.30.5
HTTPS-Zertifikate automatisch und standardmäßig anüber Modul ngx_http_acme_module, einzurichten
HTTP/3 standardmäßig anexperimentell, Modul einzurichten
Konfiguration Caddyfile oder JSONnginx.conf mit eigener Syntax
Änderungen im Betrieb Admin-API (localhost:2019), Neuladen ohne AusfallNeuladen per Signal (nginx -s reload); seit Mainline 1.31.5 optional Control API zum Auslesen und Neuladen; umfangreiche API nur kommerziell
Reverse Proxy und Lastverteilung ja, mit Lastverteilungja, mit Lastverteilung
Health Checks2 aktiv und passivpassiv; aktiv nur kommerziell
Erweiterungen Plugins, einkompiliert mit xcaddyModule, auch dynamisch (load_module)
Windows ja (Binärdatei, Chocolatey, Scoop)ja, als Beta
Kommerzielles Angebot Support für SponsorenDistributionen und Support von F5
  1. Aktuelle Version: Stand der Release-Seiten am 13.10.2026.
  2. Health Checks: Passiv: ein Ziel wird nach Fehlern bei echten Anfragen gemieden. Aktiv: der Server fragt die Ziele selbst regelmäßig ab.

Stand: Alle Angaben von den Seiten der Anbieter, ohne Partnerlinks. Zu den Quellen

Inhalt (7 Abschnitte)

Kurzurteil je Anbieter

  • Caddy

    Webserver mit automatischem HTTPS, HTTP/3 ab Werk und einer API für Änderungen zur Laufzeit.

    Für wenPasst, wenn du schnell und mit wenig Konfiguration HTTPS vor einige Dienste setzen willst oder die Konfiguration automatisch verwaltest.

    Zur Seite von Caddy
  • nginx

    Webserver in C, bei dem HTTPS-Automatik und HTTP/3 als Module dazukommen und einige Funktionen dem kommerziellen Zweig vorbehalten sind.

    Für wenPasst, wenn du ein bestehendes nginx-Setup betreibst, feine Kontrolle über jede Einstellung willst oder kommerziellen Support von F5 brauchst.

    Zur Seite von nginx

Wie verglichen wurde

Alle Angaben stammen aus der Dokumentation der beiden Projekte (caddyserver.com und nginx.org), ihren Lizenzdateien und Release-Seiten, abgerufen am 13.10.2026. Verglichen wird der freie Zweig von nginx; was nur im kommerziellen Angebot von F5 steckt, ist so gekennzeichnet. Gemessen wurde nichts: Zu Tempo und Speicherbedarf stehen hier keine Zahlen, weil sich fremde Benchmarks nicht prüfen lassen und eigene Messungen fehlen. Die Einschätzungen am Ende leiten sich aus den belegten Unterschieden ab.

Traefik, nach dem ebenfalls gesucht wird, fehlt bewusst; er wäre ein eigener Vergleich.

Die Unterschiede im Einzelnen

HTTPS ohne Zusatzwerkzeug

Der bekannteste Unterschied: Caddy liefert jede Seite standardmäßig über HTTPS aus. Für öffentliche Domains holt es Zertifikate bei einer ACME-Zertifizierungsstelle wie Let’s Encrypt oder ZeroSSL, erneuert sie selbst und leitet HTTP auf HTTPS um. Für localhost und interne Namen erzeugt es selbstsignierte Zertifikate, die es lokal als vertrauenswürdig einträgt, wenn es darf.

nginx kann Zertifikate inzwischen ebenfalls selbst beziehen, über das Modul ngx_http_acme_module. Es ist aber ein eigenes Modul, das du als Paket installierst; darin legst du einmal einen Aussteller mit Kontakt und Ablageort an und verweist in jedem Server-Block mit acme_certificate darauf. Ohne das Modul übernimmt ein Werkzeug außerhalb von nginx die Zertifikate.

HTTP/3

Caddy spricht HTTP/1.1, HTTP/2 und HTTP/3 ab Werk; abschalten lässt sich das in den globalen Optionen. Bei nginx steckt HTTP/3 seit Version 1.25.0 im Modul ngx_http_v3_module, das die Dokumentation als experimentell bezeichnet. Es ist in den Linux-Paketen von nginx.org enthalten, beim Selbstbauen musst du es mit --with-http_v3_module einschalten und in der Konfiguration einrichten.

Konfiguration und Änderungen im Betrieb

Caddy kennt zwei Formate. Das Caddyfile ist für die Pflege von Hand gedacht und wird intern in JSON übersetzt; JSON ist das eigentliche Format und kann mehr. Eine Admin-API, standardmäßig unter localhost:2019, nimmt neue Konfigurationen entgegen. Laut Dokumentation geht das ohne Ausfall, und scheitert die neue Konfiguration, bleibt die alte in Kraft.

nginx liest seine nginx.conf mit eigener Syntax. Nach einer Änderung schickst du ein Signal (nginx -s reload): Der Hauptprozess prüft die neue Konfiguration, startet bei Erfolg neue Arbeitsprozesse, und die alten bedienen ihre offenen Verbindungen zu Ende. Scheitert die Prüfung, läuft die alte Konfiguration weiter. Seit Mainline 1.31.5 gibt es zusätzlich eine Control API, die beim Bauen mit --with-control-api und beim Start mit -l eingeschaltet wird; sie zeigt die laufende Konfiguration und löst ein Neuladen aus. In der Stable-Linie 1.30 fehlt sie. Die umfangreichere REST-API ngx_http_api_module gehört weiter zum kommerziellen Angebot.

Reverse Proxy und Lastverteilung

Beide arbeiten als Reverse Proxy und verteilen Anfragen auf mehrere Ziele. Caddy richtet einen einfachen Proxy auch ganz ohne Konfigurationsdatei ein, mit caddy reverse-proxy --from … --to …. Es prüft Ziele aktiv und passiv auf Erreichbarkeit. nginx bietet Round Robin, Least Connections und IP-Hash; im freien Zweig sind die Health Checks passiv, also an echten Anfragen orientiert. Aktive Prüfungen bietet das Modul ngx_http_upstream_hc_module, das nur Teil des kommerziellen Abonnements ist.

Erweiterungen

Caddy-Plugins werden in das Programm einkompiliert, mit dem Werkzeug xcaddy oder über die Downloadseite; die offiziellen Pakete enthalten nur die Standardmodule. nginx kann Module zusätzlich als dynamische Module einbinden, die beim Einlesen der Konfiguration über load_module geladen werden, und nginx.org bietet Pakete mit solchen Modulen an.

Lizenz, Sprache und Betrieb

Caddy ist in Go geschrieben und steht unter der Apache-Lizenz 2.0. nginx ist in C geschrieben und steht unter der BSD-Lizenz mit zwei Klauseln. Beide sind kostenlos. Für nginx bietet F5 kommerzielle Distributionen, Support und Schulungen an; das Caddy-Projekt bietet Unternehmen Support über die meisten Sponsoring-Stufen an. Unter Windows läuft Caddy als normale Binärdatei, die Windows-Version von nginx gilt laut Dokumentation als Beta.

Für wen was passt

Die folgenden Punkte sind Einschätzungen, abgeleitet aus den Angaben oben.

  • Caddy passt, wenn du eine neue Seite, eine App oder einen Heimserver mit wenigen Diensten absichern willst. HTTPS, Weiterleitung und HTTP/3 laufen ohne Zusatzwerkzeug, und das Caddyfile bleibt kurz. Auch wer Konfigurationen per Skript oder aus einer Plattform heraus ändert, profitiert von der API.
  • nginx passt, wenn es schon läuft, wenn dein Team die Konfiguration kennt oder wenn du kommerziellen Support und die Funktionen des kommerziellen Zweigs brauchst. Seit es das ACME-Modul gibt, ist die Zertifikatsverwaltung auch ohne Zusatzwerkzeug möglich, nur eben nicht automatisch an.
  • Wechseln lohnt sich vor allem dann, wenn die Pflege von Zertifikaten und Weiterleitungen dich heute Zeit kostet. Für Tempo als Grund fehlen belastbare Zahlen.

Quellen

Die Angaben in Tabelle und Text stammen von diesen Seiten der Anbieter, geprüft am 13. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Ist Caddy oder nginx besser?

Keiner ist allgemein besser. Caddy nimmt dir HTTPS und HTTP/3 ab und lässt sich über eine API steuern; nginx richtest du Modul für Modul selbst ein und bekommst bei Bedarf kommerziellen Support von F5. Für eine neue Seite oder einen Heimserver mit wenigen Diensten ist Caddy der kürzere Weg; wer nginx schon im Einsatz hat, gewinnt durch einen Wechsel vor allem die HTTPS-Automatik. Das ist eine Einschätzung aus den belegten Unterschieden.

Ist Caddy schneller als nginx?

Dafür gibt es hier keine Zahlen. Gemessen wurde nichts, und fremde Benchmarks lassen sich nicht nachprüfen. Ob der Unterschied für dich spürbar ist, hängt von Last, Inhalten und Konfiguration ab; wenn es darauf ankommt, miss mit deinem eigenen Setup.

Wie bekommen Caddy und nginx ihre HTTPS-Zertifikate?

Caddy liefert alle Seiten standardmäßig über HTTPS aus, holt Zertifikate selbst bei einer öffentlichen Zertifizierungsstelle wie Let's Encrypt oder ZeroSSL, erneuert sie und leitet HTTP auf HTTPS um. Für localhost und interne Namen nutzt es selbstsignierte, lokal vertraute Zertifikate. nginx hat dafür das Modul ngx_http_acme_module, das es als fertiges Paket gibt; du legst einmal einen Aussteller an und verweist je Server darauf; ohne Modul brauchst du ein Werkzeug außerhalb von nginx.

Welcher eignet sich besser als Reverse Proxy?

Beide können Anfragen an mehrere Ziele verteilen. Caddy bringt aktive und passive Health Checks mit und richtet einen Reverse Proxy mit einem einzigen Befehl (caddy reverse-proxy) oder einer Zeile im Caddyfile ein. nginx bietet im freien Zweig passive Health Checks; aktive Health Checks gehören zum kommerziellen Angebot. Als Einschätzung: Für ein paar Dienste hinter einer Domain ist Caddy schneller eingerichtet.

Was ist mit dem Nginx Proxy Manager?

Der Nginx Proxy Manager ist ein eigenes Projekt unter MIT-Lizenz: ein Docker-Container mit Weboberfläche, der nginx-Proxy-Hosts verwaltet und Zertifikate von Let's Encrypt holt. Er ist für Heimnetze gedacht und speichert seine Daten standardmäßig in einer SQLite-Datei im Container; MySQL oder MariaDB sind optional. Wer lieber eine Oberfläche als eine Konfigurationsdatei pflegt, findet dort einen Mittelweg; mit Caddy selbst hat er nichts zu tun.

Laufen Caddy und nginx unter Windows?

Ja. Caddy gibt es als Binärdatei und über Chocolatey und Scoop. nginx bietet eine Windows-Version an, bezeichnet sie aber selbst als Beta.

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